Was sagt das Etikett über den Wein aus?

Was sagt das Etikett über den Wein aus?

Ob als Begleiter eines guten Essens, bei einem geselligen Abend oder einfach nur so zwischendurch: Viele gönnen sich gerne einmal einen guten, edlen Tropfen. Und bei der Auswahl des Weines spielt das Etikett eine wichtige Rolle.

Schließlich ist es etwa im Supermarkt oder im Weinlädchen nicht möglich, die vielen verschiedenen Weine vorab zu probieren. Stattdessen muss sich der Weintrinker an den Angaben orientieren, die auf dem Weinetikett stehen. Aus diesem Grund wird das Weinetikett gerne auch als die Visitenkarte des Weines bezeichnet. Doch dieser Vergleich ist nicht ganz richtig.

Denn Visitenkarten enthalten weltweit praktisch die gleichen Informationen, nämlich den Namen, die Funktion und die Kontaktdaten. Im Unterschied dazu steht auf den Weinetiketten in jedem Land etwas anderes drauf. Grund genug einmal der Frage nachzugehen:

Was sagt das Etikett über den Wein aus?

 

Weinetiketten sind mitunter kunstvolle Sammlerobjekte.

Viele Weinetiketten sind kleine Kunstwerke. Sie sind auf edlem Papier gestaltet, mit wunderschönen Grafiken versehen, in bunten Farben gehalten oder mit aufwändigem Golddruck verziert. Da die Weinetiketten immer auch den Zeitgeist ein Stück weit widerspiegeln, sind vor allem alte Etiketten beliebte Sammlerobjekte.

Doch die chicen Etiketten auf der Vorderseite sind gar nicht die eigentlichen Weinetiketten. Vorne auf den Weinflaschen sind vielmehr die Verkaufsetiketten angebracht, die durch ihre schöne Optik das Interesse wecken und zum Kauf anregen sollen. Die wirklichen Weinetiketten, die die entscheidenden Informationen enthalten, kleben auf der Rückseite der Weinflaschen.

 

Weinetiketten enthalten Pflicht- und Kann-Angaben.

Wie in nahezu allen Bereichen gibt es natürlich auch für Weinetiketten EU-Regelungen. Demnach muss bei jedem EU-Wein auf dem Weinetikett

  • die Qualitätsstufe,
  • die geographische Herkunft,
  • der Name des Abfüllers,
  • der Alkoholgehalt,
  • das Nennvolumen,
  • die amtliche Prüfungsnummer und
  • der Hinweis auf enthaltene Sulfite bei geschwefelten Weinen (das sind fast alle Weine) angegeben sein.

 

Neben diesen Pflichtangaben hat die EU ein paar Kann-Angaben vorgesehen. Diese dürfen auf dem Etikett stehen, müssen aber nicht. Und gerade diese Kann-Angaben sorgen dafür, dass die Weinetiketten je nach Land recht unterschiedlich ausfallen.

So ist es in Deutschland beispielsweise üblich, dass auf dem Weinetikett die Rebsorte, der Jahrgang und die Lage angegeben sind. Im Unterschied dazu stehen auf französischen Weinetiketten mal nur der Jahrgang und der Erzeuger (Chateau), mal zusätzlich auch die Region.

Die Rebsorte wird hingegen nicht genannt. Auch auf spanischen Weinetiketten ist die Rebsorte nicht zu finden. Stattdessen sollen hier wohlklingende Phantasienamen Lust auf den Wein machen. Daneben weisen die Etiketten den Hersteller und die Weinbauregion, aus der der Wein stammt, aus. Gleiches gilt für italienische Weinetiketten.

 

Deutsche Weinetiketten benennen den Geschmack.

Die Etiketten deutscher Weine informieren den Weintrinker sehr ausführlich darüber, wie süß ein Wein ist. Bei deutschen Weinen ist diese Angabe aber auch wichtiger als in anderen Ländern.

Denn in fast allen Weinbauländern bilden trockene Weine den Standard, während süße Weine die Ausnahme sind. In Deutschland ist das umgekehrt. Bis zu den 1950er-Jahren war zwar auch hierzulande trockener Wein die Regel. Doch dann begannen die Kellereien mit der Süßung mittels Süßreserve, verschnitten trockene Weine also mit süßem, unvergorenem Traubensaft. Seitdem braucht der Weintrinker Angaben zum Geschmack, damit er abschätzen kann, was ihn erwartet.

Die traditionellen Geschmacksangaben unterscheiden dabei zwischen trockenem, halbtrockenem, lieblichem und süßem Wein. Bei einem trockenen Wein ist keine Süße wahrnehmbar, der Restzuckergehalt beträgt höchstens neun Gramm pro Liter.

Ein halbtrockener Wein schmeckt fein-fruchtig. Durch den Restzuckergehalt von höchstens 18 Gramm pro Liter ist eine leichte Süße zu schmecken. Ist ein Wein lieblich, liegt sein Restzuckergehalt bei bis zu 45 Gramm pro Liter. Bei einem Restzuckergehalt von mehr als 45 Gramm pro Liter handelt es sich um einen süßen Wein. Seit einigen Jahren müssen sich die Winzer aber nicht mehr an diese traditionellen Geschmacksangaben halten. Stattdessen können sie ihren Weinen auch eigene Bezeichnungen wie beispielsweise feinherb zuordnen und auf dem Weinetikett angeben.

 

Für die Weinqualität gelten unterschiedliche Maßstäbe.

Das deutsche Weinrecht definiert die Qualität eines Weines nach dem Zuckergehalt. Je mehr Zucker eine Traube enthält, desto hochwertiger ist der Wein, der daraus entsteht. Auf dieser Grundlage wird der Wein dann in Deutschen Wein, Qualitätswein bestimmter Anbaugebiete (QbA) und Prädikatswein eingeteilt.

Prädikatsweine wiederum gliedern sich je nach Süße in Kabinett, Spätlese, Auslese, Beerenauslese, Trockenbeerenauslese und Eiswein. Weinexperten wissen aber, dass allein der Zucker noch lange keinen guten Wein ausmacht. Deshalb gibt es verschiedenste Bemühungen, weitere Qualitätsbezeichnungen zu etablieren. Classic und Selection beispielsweise sind solche Begriffe für eher trockene Weine.

Der Verband der Prädikatsweingüter (VdP) wiederum hat ein dreistufiges Qualitätssystem entwickelt. Dieses teilt den Wein in Gutswein, Ortswein und Lagenwein ein. Immer mehr Winzer übernehmen diese Einteilung, verwenden aber häufig andere Begrifflichkeiten.

Das französische Weinrecht bemisst die Weinqualität nach der Herkunft, dem sogenannten Terroir. In den meisten Weinanbaugebieten Frankreichs werden die Weinberge deshalb in Klassen eingeteilt. Allerdings garantiert allein das Terroir nicht unbedingt einen hochwertigen Wein. Zudem wurden die Einteilungen mitunter vor über 100 Jahren vorgenommen und seitdem kaum überprüft. Auch der Qualitätsmaßstab nach dem spanischen Weinrecht ist nur bedingt aussagekräftig.

Hier ergibt sich die Qualitätseinstufung aus der Lagerzeit. Je nachdem, wie lange ein Wein im Holzfass gelagert wurde, heißt er dann Crianza, Reserva oder Gran Reserva. Der Haken an diesem Qualitätsmaßstab ist aber, dass sich ein minderwertiger Wein auch dann nicht in einen edlen Tropfen verwandelt, wenn er viele Jahre lang im Holzfass liegt.

In Italien war es ebenfalls die Lagerzeit, die über die Qualität entschied. Inzwischen erlaubt das italienische Weinrecht aber den Winzern, die Bezeichnungen ihrer Weine weitgehend frei selbst zu bestimmen.

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