Was bedeutet „Halal“?

Was bedeutet „Halal“?

Wir leben in einer multikulturellen Gesellschaft und das ist auch gut so. Schließlich profitieren alle davon, wenn sie ihren Horizont erweitern, neue Kulturen und fremde Traditionen kennenlernen können. Dies fängt schon beim Essen an. So sind typisch deutsche Gerichte wie Braten mit Knödel, Bratwurst mit Kraut oder Schnitzel und Kartoffeln sehr beliebt.

Aber kaum jemand möchte heute noch ernsthaft auf Pizza und Pasta, Döner, Hamburger oder Gemüsepfannen vom Chinesen verzichten. Nun werfen die verschiedenen Gewohnheiten, Kulturen und Religionen aber auch Fragen auf. Abgesehen von den geschmacklichen Gewohnheiten gibt es nämlich mitunter Regeln, die beachtet werden müssen, wenn Gäste bewirtet werden sollen.

Im Christentum ist der Essenskodex nicht sehr streng, im Judentum hingegen ist nur koscheres Essen erlaubt. Vegetarier wiederum, gleich weder Religion oder Kultur sie angehören, essen kein Fleisch, während Veganer ausnahmslos auf alle tierischen Produkte verzichten. Und dann gibt es da noch das Stichwort “Halal”.

Was bedeutet „Halal“?

Halal stammt aus dem Arabischen und bedeutet übersetzt soviel wie das Zulässige oder das Erlaubte. Das Gegenteil davon ist Haram, das das Nicht Zulässige oder das Verbotene bezeichnet. Dazwischen gibt es eine Art Grauzone, die Makruh heißt. Makruh lässt sich mit das Unerwünschte oder das Verpönte übersetzen. Wenn etwas Makruh ist, dann ist es zwar nicht ausdrücklich verboten, aber eben auch nicht ausdrücklich erlaubt.

Im Islam ist alles Halal, das Muslimen generell erlaubt ist. Halal bezieht sich also nicht nur auf Lebensmittel und zubereitete Speisen, sondern auch auf alle anderen Dinge und Gegenstände sowie auf Handlungen, Verhaltensweisen und Gewohnheiten.

Grundlage für die islamische Philosophie ist die Idee, dass der Mensch über einen freien Willen und über Vernunft verfügt. Dadurch ist er in der Lage, sein Denken und Handeln bewusst zu steuern. Gleichzeitig ist er derjenige, der die Verantwortung dafür zu tragen hat. Ein Ausdruck für dieses Verantwortungsbewusstsein ist, dass er freiwillig, aber bewusst den Normenkodex einhält, der sich durch Halal und Haram ergibt.

Was bedeutet Halal für die Küche?

Wer seine Speisen selbst und frisch zubereitet, wird seine muslimischen Gäste ohne größere Schwierigkeiten mit kulinarischen Genüssen verwöhnen können. Frisches Obst und Gemüse, Hülsenfrüchte und Reis oder Nudeln sind nämlich genauso Halal wie frischer Fisch oder Eier.

 

Auch Gewürze und frische Kräuter sind unproblematisch. Etwas schwieriger wird es, wenn es ums Fleisch geht. Schweinefleisch ist, ebenso wie Alkohol, absolut tabu. Bei allen anderen Fleischsorten ist der Gastgeber auf der sicheren Seite, wenn er bei einem muslimischen Metzger einkauft. Dann kann er nämlich sicher sein, dass das Tier so geschlachtet und zerlegt wurde, wie es die Regeln vorgeben. Was die Getränke angeht, so kann der Gastgeber seinen Gästen bedenkenlos Kaffee und Tee, Wasser und Natursäfte servieren.

Bei Fertigprodukten oder verarbeiteten Lebensmitteln ist ein Blick auf die Zutatenliste wichtig. Tauchen dort tierische Zusätze oder Alkohol auf, ist das Produkt nicht Halal. Allerdings ist es nicht damit getan, nur um Schwein und Alkohol einen Boden zu machen.

Viele Produkte enthalten nämlich Inhaltsstoffe, die problematischer Herkunft sind, auf den Zutatenlisten aber nicht deklariert sein müssen. Außerdem steht auf der Verpackung auch nicht, ob beispielsweise die Produktionsmaschinen mit Alkohol gereinigt wurden oder ob nicht.

Kann der Koch eine Speise nicht selbst und ausschließlich aus frischen, natürlichen Zutaten zubereiten, sollte er deshalb nach Produkten Ausschau halten, die als Halal zertifiziert sind. Eine weitere Möglichkeit ist, in Spezialgeschäften einzukaufen, etwa beim türkischen Lebensmittelhändler.

Wie schwierig ist es, Halal-Kost anzubieten?

Wird in der Küche nur mit frischen, natürlichen Lebensmitteln gearbeitet und werden alle Speisen selbst zubereitet, ist eine Speisekarte mit Halal-Kost gut umzusetzen. Oft wird es auch keine große Umstellung sein oder nennenswerte Mehrkosten verursachen, denn ein gestandener Koch mit einem hohen Qualitätsanspruch wird ohnehin beispielsweise frisches Gemüse verwenden und nicht auf irgendwelche vorgewürzten Fertigmischungen zurückgreifen.

Bestehen Zweifel, ob ein Produkt verwendet werden kann, hilft außerdem die Halal-Zertifizierungsstelle weiter, die auf ihrer Internetseite über Produkte und Zusatzstoffe informiert und Anfragen beantwortet. Generell wird es vermutlich aber wohl nur eine Frage der Zeit sein, bis sich in den Supermärkten eine größere Auswahl an Produkten mit Zertifizierung finden wird. Andere Länder wie England, Frankreich oder die Schweiz machen es bereits vor und haben den Markt der muslimischen Kunden längst als Absatzquelle mit enormem Potenzial entdeckt.

Bio-Produkte wurden anfangs auch sehr skeptisch betrachtet und jetzt boomen sie. Andererseits gibt es keinen Grund, Halal nur auf muslimische Kunden zu beschränken. Eines der ersten Produkte, das in Deutschland mit einem Halal-Zertifikat auf den Markt kam, waren Gummibärchen. Der deutsche Hersteller ließ diese Gummibärchen in der Türkei produzieren. Da bei den Gummibärchen die Gelatine, die schweinischen Ursprungs ist, wegfällt, können sich nicht nur kleine und große Muslime über die Gummibärchen freuen, sondern eben auch Vegetarier. An diesem kleinen Beispiel zeigt sich einmal mehr, welche Vorteile Multi-Kulti mit sich bringt.

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Veröffentlicht von

Dietmar Beinbach & Tina Fachinger

Hier schreiben Tina Fachinger, 36 Jahre alt, Ernährungsberaterin und Dietmar Beinbach, geboren 1968, Koch und Geschäftsinhaber mehrerer Restaurants. Wir möchten Wissenswertes zu Nahrungsmitteln, Ernährung, Backen und Kochen vermitteln. Hobbyköchen und der Gastronomie Tipps, Anleitungen, Rezepte und Ratgeber geben. Videos dreht unsere gute Fee Sevil.

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