Wie viel Trinkgeld ist eigentlich üblich?

Wie viel Trinkgeld ist eigentlich üblich?

In Restaurants, Bars und Cafés gehört es zum guten Ton, die Rechnung aufzurunden. Dieses kleine Extra soll zum Ausdruck bringen, dass der Gast mit der Leistung zufrieden war und den guten Service würdigt.

Doch wie viel Trinkgeld ist eigentlich üblich? Wird in anderen Ländern genauso viel Trinkgeld gegeben wie hierzulande? Und woher kommt der Brauch überhaupt?

Solche und andere Fragen rund ums Trinkgeld beantwortet dieser Beitrag:

 

Wo hat das Trinkgeld seine Wurzeln?

Das Trinkgeld blickt auf eine lange Tradition zurück. Allerdings hatte der Begriff ursprünglich eine andere Bedeutung. Einst warfen wohlhabende Herrschaften ihren Dienern nämlich ein paar Münzen vor die Füße, damit diese nach Dienstschluss in die Bar gehen und sich betrinken konnten.

Erst im Laufe der Zeit verkehrte sich die Bedeutung ins Gegenteil und aus einer abfällig gemeinten Geste wurde ein Ausdruck der Anerkennung. Heute nehmen Servicekräfte in fast allen Kulturen gerne ein Trinkgeld an. Allerdings gibt es je nach Land gewisse Unterschiede.

 

Wo ist es üblich, ein Trinkgeld zu geben?

Vor allem in der Gastronomie und in der Hotellerie ist es üblich, die Leistung des Personals mit einem Trinkgeld zu honorieren. Aber auch der Friseur, ein Bote, der Briefträger, ein Taxifahrer, der Reiseleiter, ein Lieferant und andere Dienstleister freuen sich über ein Trinkgeld.

Eine Besonderheit gilt auf Schiffen. Bei einer Kreuzfahrt werden nämlich oft Trinkgelder erwartet, die höher ausfallen als die Trinkgelder für vergleichbare Dienste an Land. Im Unterschied dazu wird in Flugzeugen kein Trinkgeld gegeben.

Dies liegt daran, dass sich das Flugpersonal als Gastgeber versteht und seine Leistungen deshalb als selbstverständlich betrachtet. Bei vielen Fluglinien ist es dem Flugpersonal sogar untersagt, ein Trinkgeld anzunehmen. Ähnliches gilt oft auch im Einzelhandel.

 

Wie viel Trinkgeld wird üblicherweise gegeben?

Eine feste Regel, wie viel Trinkgeld angemessen ist, gibt es nicht. Dies liegt allein schon daran, dass niemand dazu verpflichtet ist, ein Trinkgeld zu geben. Stattdessen ist das Trinkgeld eine freiwillige Geste, durch die ein guter Service anerkannt wird.

Als Faustregel hat sich aber eingebürgert, dass rund zehn Prozent des Rechnungsbetrags als Trinkgeld üblich sind. Mit dieser Zehn-Prozent-Faustregel bewegt sich der Gast fast überall auf der Welt in einem angemessenen Rahmen. Fast überall deshalb, weil es ein paar Ausnahmen gibt.

Eine dieser Ausnahmen bilden die USA. In den USA fällt der Verdienst von Servicepersonal vergleichsweise niedrig aus. Deshalb sind die Servicekräfte auf Trinkgelder angewiesen. Gleichzeitig wird das Arbeitsentgelt so niedrig angesetzt, weil davon ausgegangen wird, dass Trinkgelder als Lohnbestandteil dazugekommen.

Die Folge davon ist, dass die USA als ein echtes Trinkgeld-Land gelten und es sehr unhöflich wirkt, wenn ein Gast kein Trinkgeld gibt. Dabei wird in den USA meist ein Tip erwartet, der etwa 15 bis 20 Prozent des Rechnungsbetrags entspricht.

Eine weitere Ausnahme bildet das Vereinigte Königreich. In Großbritannien und auch in Irland findet sich auf der Rechnung oft der Posten „service charge“. Damit ist die Serviceleistung bereits beglichen, das Trinkgeld ist also schon in der Rechnungssumme enthalten.

Ein zusätzliches Trinkgeld ist dann nicht mehr üblich. Wurde die Serviceleistung hingegen noch nicht berechnet, ist ein Trinkgeld von etwa zehn Prozent angemessen.

In China, in Japan und in vielen anderen Ländern Asiens wiederum hat das Trinkgeld keine Tradition. Vor allem in ländlichen Gegenden, in denen ein noch sehr ursprünglicher Alltag gelebt wird, könnte ein Trinkgeld sogar als beleidigende oder herabsetzende Geste verstanden werden. Möchte der Gast seine Anerkennung zum Ausdruck bringen, ist er mit einem Geschenk deshalb mitunter besser beraten.

Für typische Touristenzentren gilt das aber nicht. Hier haben sich die Servicekräfte mittlerweile an die westliche Trinkgeldkultur gewöhnt und nehmen die kleine finanzielle Zuwendung gerne an.

Im Orient sind Trinkgelder eigentlich nur in Gastronomiebetrieben, Hotels und anderen Lokalitäten üblich, die sich an westlichen Standards orientieren. In einfachen Gaststätten, auf Märkten oder bei Taxifahrten wird kein Trinkgeld erwartet. Wichtig zu wissen ist außerdem, dass in arabischen Ländern eine Bakschisch-Kultur existiert.

Bakschisch ist ein Trinkgeld für eine erbrachte Gegenleistung. Hat jemand eine Leistung erbracht, beispielsweise das Gepäck ins Hotelzimmer getragen, spricht nichts dagegen, ihm dafür etwas Bakschisch zuzustecken. Einem Araber hingegen einfach so Geld zu geben, ohne dass er dafür irgendetwas gemacht hat, ist letztlich nichts anderes, als Bettlerei zu unterstützen. Betteln ist in der arabischen Kultur aber verpönt.

 

Gibt es beim Trinkgeld auch No-Gos?

Wirkliche Tabus gibt es beim Trinkgeld strenggenommen nicht. Allerdings kann der Gast Verhaltensweisen an den Tag legen, die ihn nicht im besten Licht erscheinen lassen. Hierzu gehört, sich zu geizig zu präsentieren. Beläuft sich die Restaurantrechnung beispielsweise auf 51,80 Euro, sollte der Gast nicht nur auf 52 Euro aufrunden, sondern mit 55 Euro etwas spendabler sein.

War der Gast mit der Leistung des Restaurants nicht zufrieden, sollte er gar kein Trinkgeld geben. Dadurch bringt er seine Kritik wesentlich besser zum Ausdruck, als wenn er ein Mini-Trinkgeld gibt. Hat sich der Gast dazu entschlossen, die Leistungen mit einem Trinkgeld zu würdigen, sollte er es dabei dann aber auch belassen. Es macht einen sehr seltsamen Eindruck, wenn der Gast um eine Quittung für das Trinkgeld bittet.

In den USA gibt es noch die Besonderheit, dass das Trinkgeld dem Kellner nicht direkt in die Hand gegeben wird. Stattdessen lässt der Gast das Trinkgeld auf dem Tisch oder auf dem Tellerchen mit der Rechnung liegen.

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Veröffentlicht von

Dietmar Beinbach & Tina Fachinger

Hier schreiben Tina Fachinger, 36 Jahre alt, Ernährungsberaterin und Dietmar Beinbach, geboren 1968, Koch und Geschäftsinhaber mehrerer Restaurants. Wir möchten Wissenswertes zu Nahrungsmitteln, Ernährung, Backen und Kochen vermitteln. Hobbyköchen und der Gastronomie Tipps, Anleitungen, Rezepte und Ratgeber geben. Videos dreht unsere gute Fee Sevil.

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