Die größten Fehler bei Speisekarten, Teil II

Die größten Fehler bei Speisekarten, Teil II

Die Speisekarte erfüllt einerseits einen praktischen Nutzen, denn sie informiert den Gast über das Speise- und Getränkeangebot. Andererseits ist die Speisekarte ein Werbemittel und so etwas wie die Visitenkarte des Restaurants.

So gut wie jedes Restaurant hat eine Speisekarte. Allerdings ist die Speisekarte nicht nur eine nützliche Übersicht, in der aufgeführt ist, welche Speisen und Getränke der Gast bestellen kann.

Die Speisekarte ist vielmehr ein Aushängeschild des Restaurants. Sie präsentiert dem Gast das Restaurantkonzept und stimmt ihn auf den Aufenthalt ein. Eine gelungene Speisekarte wirbt für das Restaurant und macht Lust auf das kulinarische Erlebnis, das den Gast erwartet.

Das Problem ist nur, dass die wenigsten Gastronomen gelernt haben, wie ansprechende Speisekarten erstellt werden. Was den Betrieb angeht, sind sie zwar Profis durch und durch. Doch ihr Angebot optisch gelungen und mit aussagekräftigen Beschreibungen auf Papier zu bringen, fällt vielen schwer.

Deshalb lassen sich immer wieder die gleichen Fehler beobachten. In einer zweiteiligen Übersicht haben wir die größten Fehler bei Speisekarten zusammengetragen. Dabei ging es in Teil I um grundsätzliche und um gestalterische Fehler.

Hier ist Teil II:

 

Inhaltliche Fehler

Eine Speisekarte hat die Aufgabe, den Gast über das Angebot an Speisen und Getränken zu informieren. Doch allein mit diesem praktischen Nutzen ist es nicht getan. Vielmehr ist die Speisekarte auch ein Instrument, das für das Restaurant, sein Konzept und sein Angebot werben soll. In der Praxis tauchen jedoch immer wieder folgende inhaltlichen Fehler auf:

 

Die Speisekarte lenkt die Aufmerksamkeit auf die Preise.

So manche Speisekarte ist letztlich nichts anderes als eine reine Liste. Darin werden die Gerichte samt Zutaten aufgeführt und direkt daneben stehen die Preise. Das Problem an einer solchen Anordnung ist, dass die Aufmerksamkeit des Gastes auf die Preise gelenkt wird.

Denn der Gast liest den Namen des Gerichts und danach wandert sein Blick direkt weiter auf den Preis, der ja noch in derselben Zeile steht. Die Folge davon ist, dass sich der Gast bei seiner Auswahl immer auch vom Preis beeinflussen lassen wird.

Das Ziel des Gastronomen sollte aber sein, die Aufmerksamkeit des Gastes auf das kulinarische Erlebnis zu lenken, das das jeweilige Gericht ihm bietet. Deshalb sollten die Inhalte in der Speisekarte so angeordnet sein, dass nicht die Preise, sondern die Gerichte im Vordergrund stehen. Das erreicht der Gastronom beispielsweise dadurch, dass er zunächst den Namen und die Zutaten des Gerichts aufführt. Den Preis des Gerichts kann er dann unter dieser Beschreibung angeben.

 

Die Gerichte sind lieblos beschrieben.

Ein weiterer Fehlerklassiker sind lieblos beschriebene Gerichte. Oft werden lediglich der Name genannt und die Hauptzutaten aufgeführt. Dabei genügen schon etwas ausführlichere Beschreibungen, um die Lust des Gastes auf ein Gericht zu wecken und ihm das Wasser im Mund zusammenlaufen zu lassen. Zur Verdeutlichung ein Beispiel:

  1. Formulierung: Nackensteak mit Gemüse und Bratkartoffeln
  2. Formulierung: Saftiges Nackensteak vom Grill. Dazu buntes Marktgemüse der Saison mit einer feinen Butternote und knusprig gebratene Kartoffelscheiben mit frischen Kräutern.

Was hört sich besser an? Welche Formulierung wird den Gast wohl eher ansprechen? Der Gastronom sollte sich bei der Beschreibung seiner Speisen Mühe geben. Es geht nicht darum, ausführlichste Beschreibungen zu formulieren, die jede noch so kleine Zutat erwähnen.

Und natürlich dürfen die Beschreibungen keine falschen Erwartungen wecken. Aber der Gastronom sollte seine Köstlichkeiten schon in der Speisekarte präsentieren, und nicht erst auf dem Teller.

 

Die Vorgehensweise beim Schreiben der Speisekarte

Eine gelungene Speisekarte lässt sich nicht in wenigen Minuten aus dem Ärmel schütteln. Aber es lohnt sich, wenn der Gastronom etwas Zeit und Mühe in seine Speisekarte investiert. Denn seine Gäste werden es ihm danken. Zufriedene Gäste sorgen für entsprechende Umsätze, kommen immer wieder und empfehlen das Restaurant weiter. Bleibt aber die Frage, wie der Gastronom am besten vorgehen sollte.

Eine Art Kurzanleitung fürs Gestalten einer Speisekarte liest sich so:

  1. Der Gastronom sollte sich zuallererst Gedanken dazu machen, was sein Konzept ist und welches Image sein Restaurant haben soll. Welche Küche bietet er an? Geht es in seinem Restaurant eher gemütlich und bodenständig, elegant oder sehr vornehm zu? Auf dieser Grundlage sollte er ein Material und ein Design für seine Speisekarte auswählen, das sein Restaurant widerspiegelt.
  2. Im nächsten Schritt gilt es, das Speisenangebot auf den Prüfstand zu stellen. Welches Gericht ist das Aushängeschild des Restaurants? Welche Gerichte verkaufen sich gut? Und welche Gerichte werden kaum bestellt? Auf Basis dieser Auswertung sollte der Gastronom sein Angebot zusammenstellen. Sechs bis höchstens zehn Hauptgerichte sind aber genug.
  3. Steht das Angebot, sollte der Gastronom seinen Gerichten ansprechende Namen geben. Außerdem sollte er sich Beschreibungen überlegen, die dem Gast vermitteln, auf welche Leckereien er sich freuen kann.
  4. Bei seinen Formulierungen sollte der Gastronom darauf achten, dass es keine Aneinanderreihungen von Fachausdrücken werden. Ein Laie muss die Beschreibungen verstehen und wissen, was er da bestellt.
  5. Die Inhalte seiner Speisekarte sollte der Gastronom so anordnen, dass die Gerichte und der kulinarische Genuss im Vordergrund stehen. Natürlich sind auch die Preise wichtig. Aber der Gast sollte seine Auswahl nicht wegen des Preises treffen, sondern weil er Lust auf das Gericht hat.
  6. Der Gastronom sollte eine ansprechende Optik kreieren, die zu seinem Restaurant passt und die Speisekarte eindeutig als die Speisekarte dieses Restaurants erkennen lässt. Gleichzeitig muss die Speisekarte aber übersichtlich und lesefreundlich bleiben.
  7. Ist alles fertig, sollte der Gastronom die Speisekarte selbst überprüfen und am besten von einer weiteren Person kontrollieren lassen. Unglückliche Formulierungen oder Rechtschreibfehler kommen so ans Licht.

 

Die Auswahl einer Vorlage für die Speisekarte

Es ist mitunter gar nicht so einfach, die richtige Vorlage für eine Speisekarte zu finden. Denn bevor eine Entscheidung fällt, müssen einige Fragen geklärt sein, darunter beispielsweise:

  • Welches Design passt zum Konzept und repräsentiert das Restaurant optimal?
  • Soll die Speisekarte klassisch, modern, ausgefallen oder edel daherkommen?
  • Soll es ein bestimmtes Thema, Motto oder Motiv geben, das das Gesamtbild der Speisekarte prägt?
  • Soll die Speisekarte regelmäßig geändert oder durch wechselnde Tages-, Wochen- oder Monatskarten ergänzt werden?

Die Speisekarte informiert den Gast darüber, was er bestellen kann. Gleichzeitig vermittelt sie dem Gast, was ihn erwartet und wofür das Restaurant steht. Der Gastronom sollte sich deshalb verschiedene Vorlagen anschauen. Im Internet gibt es viele Anbieter, die sich auf Vorlagen für Speisekarten spezialisiert haben.

Hier kann der Gastronom in den Vorlagen stöbern und sich einen Überblick darüber verschaffen, was ihn anspricht. Daneben sollte sich der Gastronom die Speisekarten seiner Mitbewerber ansehen und überlegen, was ihm daran gut gefällt und was er anders oder besser machen kann. In Fachzeitschriften und auf Gastronomie-Webseiten findet der Gastronom ebenfalls schöne Anregungen und hilfreiche Tipps.

Hat der Gastronom eine Vorlage gefunden, die ihm gefällt, kann er diesen Vordruck übernehmen und mit seinen Inhalten füllen. Genauso kann sich der Gastronom aber auch nur von einer ansprechenden Vorlage inspirieren lassen und selbst zum Designer werden. Dazu braucht er lediglich seinen Computer und ein Textverarbeitungsprogramm. Spielt er mit Layouts und Grafiken und probiert er verschiedene Schriften und Farben aus, entsteht schon bald eine individuelle Vorlage mit ganz persönlicher Note.

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